Whistleblower Daniel Ellsberg gestorben

Kensington/Kalifornien, 16. Juni 2023 – Der erste Whistleblower der Welt, der amerikanische Journalist Daniel Ellsberg ist im Alter von 92 Jahren an den Folgen von Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Noch als todkranker Mann warnte er im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und der Taiwan-Krise vor der Gefahr eines Atomkrieges.

Der Journalist hatte zu Beginn der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in der New York Times und in der Washington Post die sogenannten „Pentagon-Papers“ veröffentlicht. 9.000 Seiten von Regierungsdokumenten hat Ellsberg kopiert und dadurch geheim gehaltenen Pläne verschiedener US-Regierungen über den Vietnamkrieg öffentlich gemacht. Es folgte eine Anklage wegen Spionage. Zeitweise galt Ellsberg den US-Regierung Truman, Kennedy, Johnson und Nixon als „gefährlichster Mann Amerikas“. Ihm drohten 115 Jahre Haft. 

Der Prozess platzte, als ein von der Regierung Nixon veranlasster Einbruch von Geheimdienstmitarbeitern in die Praxis von Ellsbergs Arzt und seine illegale Überwachung bekannt wurden. Die Verfahren gegen ihn wurden eingestellt und Ellsberg wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt.

Daniel Ellsberg solidarisierte sich mit den Whistleblowern Julian Assange, den er mehrfach besuchte, Edward Snowden und Chelsea Manning. Über die geheimen Papiere des Pentagon zum Vietnam-Krieg wurden zahlreiche Filme, aber auch Bücher veröffentlicht. Die US-amerikanische Rock-Band Bloodrock widmete Ellsberg auf ihrem Album „Passage“ von 1972 den Song „Thank You Daniel Ellsberg“. (div. Medien/IIM)