Pressefreiheit 2026: Österreich auf Platz 19

Wien – Paris, 1. Mai 2026 – Nach dem Aufatmen im Vorjahr, als die negative Entwicklung der Pressefreiheit umgekehrt werden konnte, setzt sich mit Platz 19 im RSF-Index 2026 der Aufwärtstrend für Österreich weiter fort. Das Ergebnis wurde wiederum anhand von fünf Indikatoren berechnet, die in den Details unterschiedlich zu bewerten sind (siehe Tabelle weiter unten).

“Österreich hat im Gesamtergebnis 1,31 Punkte gut gemacht. Die Kurve zeigt also nach oben, wobei der Zuwachs von 2,40 Punkten im rechtlichen Kontext besonders auffällt”, erklärt Martin Wassermair, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich. Er verweist auf Verbesserungen im allgemeinen Diskurs, der “nach zahlreichen Fällen von Korruption und Machtmissbrauch der kritischen Berichterstattung wieder mehr Wertschätzung entgegenbringt”. Präsident Fritz Hausjell sieht in der Gesamtbetrachtung des aktuellen Rankings sowohl Licht als auch Schatten und warnt vor allzu großer Zufriedenheit. “Der überfälligen Stabilisierung der ökonomischen Grundlagen von Medien und Journalismus wurde bislang nicht ausreichend Rechnung getragen, das schlägt sich nun mit geringeren Werten zu Buche, da weiter immer mehr Werbebuchungen von den journalistischen Medien zu den amerikanischen und chinesischen Digitalgiganten abfließen. In Anbetracht der aktuellen Anstrengungen zur Reform der Medienförderungen sollten die Werte des RSF-Rankings demzufolge ein wichtiger Anstoß sein.”

Während die globalen Trends 2026 im Hinblick auf Justiz und Strafverfolgung ein düsteres Gesamtbild zeichnen, sticht in Österreich die Entwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen besonders positiv hervor. Dazu trägt insbesondere bei, dass der Schutz des Journalismus vor Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen, etwa durch SLAPP-Klagen, in Österreich wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist. Das am 1. September 2025 in Kraft getretene Informationsfreiheitsgesetz hat die Amtsverschwiegenheit beendet und eröffnet vor allem investigativen Recherchen neue Möglichkeiten. Ergänzend dazu wurden erste Schritte zur Umsetzung des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes (EMFA) gesetzt, das unter anderem strengere Vorgaben zum Schutz vor politischer Einflussnahme sowie mehr Transparenz bei Eigentumsstrukturen und staatlicher Werbung vorsieht.

Aus internationaler Perspektive vermitteln die Ergebnisse 2026 ausgerechnet zum Jubiläum einen mehrfach alarmierenden Eindruck: Erstmals in der Geschichte der von Reporter ohne Grenzen (RSF) veröffentlichten Rangliste zur Pressefreiheit befindet sich mehr als die Hälfte aller Länder weltweit in einer “schwierigen” oder sogar “sehr ernsten” Situation. Auffällig ist dabei, dass insbesondere eine immer restriktivere Gesetzgebung – häufig im Kontext der nationalen Sicherheitspolitik – das Recht auf Information zunehmend untergräbt. Davon sind längst nicht mehr nur autoritäre Staaten betroffen; auch viele Demokratien bleiben davon nicht ausgenommen.

Der Indikator “Rechtliche Rahmenbedingungen” verzeichnet in diesem Jahr zudem den stärksten Rückgang, was auf eine zunehmende Kriminalisierung des Journalismus hindeutet. Auch auf dem amerikanischen Kontinent zeigt sich eine deutliche Verschlechterung: Die USA verlieren sieben Plätze (Rang 64), während mehrere lateinamerikanische Länder zunehmend in eine Spirale aus Gewalt und Repression geraten. Norwegen führt das Ranking hingegen bereits zum zehnten Mal in Folge an, während Eritrea seit drei Jahren das Schlusslicht bildet. Syrien verzeichnet nach dem Sturz von Präsident Assad im Jahr 2024 den größten Aufstieg im Ranking (+36 auf Rang 141).

Anne Bocandé, Redaktionsdirektorin von RSF International, leitet vom historischen Tiefstand eine besondere Verantwortung der Zivilgesellschaft ab: “Die Schutzmechanismen sind nach wie vor zu schwach, das Völkerrecht bröckelt und die Straflosigkeit gedeiht. Es bedarf fester Garantien – und wirksamer Sanktionen. Der Ball liegt nun bei den Demokratien und ihren Bürgerinnen und Bürgern. Es liegt an ihnen, denen Einhalt zu gebieten, die das Schweigen organisieren. Denn die Ausbreitung autoritärer Tendenzen ist kein unabwendbares Schicksal.”

Reporter ohne Grenzen (RSF) nimmt das Ergebnis 2026 für Österreich erfreut zur Kenntnis, sieht jedoch keinen Anlass, sich nun zufrieden zurückzulehnen. “Die aktuelle Weltlage führt täglich vor Augen”, macht Generalsekretär Wassermair deutlich, “dass Demokratie und Pressefreiheit enormen Bedrohungen ausgesetzt sind.” Die Rekordzahl getöteter Medienschaffender im Jahr 2025 muss eine globale Mahnung sein. Umso mehr ist Medienpolitik gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unabhängiger Journalismus nachhaltig abgesichert wird und Journalistinnen und Journalisten ihre berufliche Tätigkeit ungefährdet ausüben können.

Vor diesem Hintergrund erinnert auch Fritz Hausjell daran, “dass zu Beginn des Berichtsjahres 2025 die Zeichen für die Entwicklung der Pressefreiheit noch deutlich nach unten zeigten. So hatte sich die mögliche Koalition aus FPÖ und ÖVP in ihren letztlich abgebrochenen Verhandlungen bereits früh auf eine staatliche und deutlich reduzierte Finanzierung des öffentlich-rechtlichen ORF geeinigt, ebenso wie auf ein Zitierverbot aus Vorerhebungsakten.” Den diesjährigen Platz 19 sieht der ROG-Präsident jedenfalls “als Ansporn, in den kommenden RSF-Rankings zumindest in die Top 10 aufzusteigen”, so Hausjell abschließend.

RSF Index 2026: Pressefreiheit auf tiefstem Stand seit 25 Jahren

Methodik zur Erstellung des internationalen RSF-Pressefreiheitsindex

(OTS/IIM)